Wie Jürgen Roth Villingen-Schwenningen gewonnen hat. Teil 1 der Wahlkampf, Teil 2 die Analyse.
80 Tage. Neun Ortschaften. Neunzig Stadtstimmen. Wie die Kampagne in die Stadt gegangen ist.


















Menschen aus der ganzen Stadt, die öffentlich sagen, warum sie Jürgen Roth wählen. Kein Parteibündnis. Gesichter.
Zwei Plakate, freigegeben am 26. August um 20:44 Uhr: das Porträt und die drei Themen Wirtschaft, Wohnraum und Sicherheit. Ab 18. September dazu 29.706 Flyer an alle Haushalte.

Am Morgen ein Video an alle, die noch nicht gewählt haben. Am Abend ein Satz, der noch in derselben Nacht zur Schlagzeile wird.
Amtliches Endergebnis, alle 74 Bezirke, die Beteiligung im Vergleich und das Echo der Presse. Auf einen Blick.
Ausgewertet sind alle Beiträge von Schwarzwälder Bote, Südkurier und Schwäbischer Zeitung vom Wahlabend bis zum 6. Oktober. Die Neckarquelle erscheint inzwischen im Schwarzwälder Boten. Mehrere Analysen stehen hinter der Bezahlschranke, dort ist der frei lesbare Teil ausgewertet.
| Medium | Beitrag | Kern | Tenor |
|---|---|---|---|
| Schwarzwälder Bote 4. Oktober, Reportage | Villingen-Schwenningen wählt ihn wieder | Überschrift ist Roths Leitsatz aus dem Wahlabend-Briefing. Ergebnis als erwartet beschrieben, Beteiligung als sehr schwach. Roth räumt die fehlende Mobilisierung ein und nennt Infrastruktur und Sicherheit als Auftrag. Austausch mit Regina vereinbart. | positiv |
| Schwarzwälder Bote 4. Oktober, Meldung | Amtsinhaber setzt sich durch | Nachricht mit Ergebnis im ersten Wahlgang, erwartungsgemäß. | neutral positiv |
| Schwarzwälder Bote Kommentar | Gewonnen: warum Roth nach einem Kinderspiel liefern muss | Wahlkampf als leichtes Spiel ohne echtes Schwergewicht. Regina sympathisch, aber ohne erkennbaren Plan. Jetzt müsse Roth liefern. Ausblick auf 2034 und die Frage nach dem Vermächtnis. | fordernd |
| Schwarzwälder Bote 5. Oktober, Plus | 144 Stimmen für den Ex-Gegner | Wer in der freien Zeile genannt wurde. Aufhänger sind die Stimmen für Jörg Röber. Hinter Bezahlschranke. | neutral |
| Südkurier 4. Oktober, Stephan Freißmann | Roth bleibt OB, sein Stil zahlt sich aus | Keine Wechselstimmung nach der ersten Amtszeit, Regina mit Achtungserfolg. Hinter Bezahlschranke. | positiv |
| Südkurier 5. Oktober, Stephan Freißmann | Mit mehr als drei Viertel der Stimmen | Großer Vorsprung, Achtungserfolg für Regina, niedrige Beteiligung. Hinter Bezahlschranke. | gemischt |
| Südkurier 5. Oktober, Stephan Freißmann | Wer punktet wo, wo wird am eifrigsten gewählt | Bezirksauswertung mit Blick auf Auffälligkeiten und Beteiligung je Quartier. Hinter Bezahlschranke. | neutral |
| Schwäbische Zeitung 5. Oktober | Jürgen Roth bleibt Oberbürgermeister | Sachliche Ergebnismeldung mit allen Zahlen, Beginn der zweiten Amtszeit am 1. Januar 2027. Roth mit den Schwerpunkten Infrastruktur und Sicherheit zitiert. | neutral positiv |
Bei Nachfragen nüchtern mit dem Vergleich antworten: Bei Wiederwahlen ohne echtes Duell liegt die Beteiligung bundesweit meist zwischen 20 und 40 Prozent. Nicht kleinreden, den Auftrag zum Zuhören daraus ableiten.
Vor dem Amtsantritt am 1. Januar zwei, drei konkrete Schritte zu Infrastruktur und Sicherheit benennen, mit Termin. So wird aus dem Liefer-Rahmen eine eigene Geschichte.
Das Gespräch mit Regina öffentlich führen und Termine in Steppach, Wöschhalde, der Gartenschule und der Neckarschule setzen. Dort war die Beteiligung am niedrigsten und Regina am stärksten.
Verglichen werden OB-Wahlen seit 2019 in Städten ab rund 20.000 Einwohnern, bei denen der Amtsinhaber wieder antrat und klar im ersten Wahlgang gewann. Nur eigenständige Termine, nicht am selben Tag wie Bundestags-, Landtags-, Europa- oder Kommunalwahl.
Mit 28,8 Prozent liegt VS bei Wahlen mit schwachem Gegner im unteren Drittel: Nur Lörrach, Pforzheim und Singen lagen niedriger. Gleichzeitig liegt VS über fast allen Wahlen ganz ohne Gegenkandidat, deren mittlerer Wert bei 24,4 Prozent liegt.
Die Region wählt bei solchen Wahlen traditionell wenig: Tuttlingen kam 2019 auf 18,0 Prozent, Donaueschingen 2021 auf 25,1, Singen 2021 auf 25,3.
Sechs der acht Wahlen über 38 Prozent hatten einen Herausforderer, der im Wahlkampf sichtbar war, etwa Weinstadt, Schwäbisch Gmünd, Griesheim oder Hattersheim. Auffällig: Regina kam mit 20,7 Prozent auf einen ähnlichen Wert, trotzdem blieb die Beteiligung niedrig. Entscheidend ist also nicht das Ergebnis des Herausforderers, sondern ob vorher ein Duell wahrgenommen wurde. Die Größe der Stadt spielt kaum eine Rolle: Pforzheim kam auf 23,5, Heilbronn auf 30,5 Prozent.
Zum Vergleich: Bei allen Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg mit antretendem Amtsinhaber lag die Beteiligung im Schnitt bei 47,6 Prozent. Darin sind aber vor allem kleine Gemeinden enthalten, die deutlich mehr wählen.
| Stadt | Land | Datum | Amtsinhaber | Ergebnis | Gegner | Beteiligung | Quelle |
|---|
| Bezirk | Stadtteil | Wahlberechtigte | Beteiligung | Regina | Roth |
|---|